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Der Kampf der Frauen im Mittleren Osten ist lebendig, dynamisch ...

Schlussresolution der Nahost-Vorbereitungskonferenz für die Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen in Venezuela

„Die Zeit ist reif für einen neuen Aufbruch der internationalen Frauenbewegung!“ Unter diesem Motto wird im März die Weltkonferenz der Basisfrauen in Caracas/Venezuela stattfinden.
In Vorbereitung dazu fand vom 24. bis zum 26. Dezember 2010 das Nahost-Vorbereitungstreffen im „Zentrum der Freien Frau“ in Kirkuk unter Beteiligung von Frauen aus der Türkei, Syrien, dem Irak und Kurdistan statt.

Fünfunddreißig türkische, kurdische, arabische und assyrische Frauen aus 17 Organisationen nahmen an der Konferenz teil.

Frauen aus Palästina und dem Libanon, die aus wirtschaftlichen und logistischen Gründen nicht an dem Treffen teilnehmen konnten, sandten eine Botschaft, in der sie ihre Zustimmung zu den Beschlüssen der Konferenz bekundeten. Das Treffen in Venezuela wurde als eine historische Chance der internationalen Frauenbewegung zur Organisierung des globalen Widerstandes gegen weltweite Angriffe und als eine Möglichkeit des gegenseitigen Erfahrungsaustausches bewertet.
Wir hielten die Konferenz in Kirkuk ab, einer Stadt, die von den Staaten in der Region und den internationalen Mächten umkämpft wird. Kirkuk ist wie ein Mikrokosmos innerhalb des Mittleren Ostens, wo Türken, Araber, Kurden, Turkmenen, Assyrer, Aramäer, Chaldäer, Muslime, Christen, Sabäer und Yeziden ein reiches kulturelles Mosaik bilden. Gleichzeitig ist Kirkuk das Zentrum all dieser Widersprüche. In der Stadt spiegelt sich das durch gegenseitiges Töten wider. Aus diesem Grunde verweist das Treffen gerade in dieser Stadt auf den Mut und die Entschlossenheit, die wir im Hinblick auf die Entwicklung Kirkuks und des Mittleren Ostens haben.
Im Jahre 2003 schufen die USA ein absolutes Chaos im Irak, den sie mithilfe anderer imperialistischer Staaten besetzt hatten. Der gesamte Mittlere Osten erzitterte im Versprechen auf „Freiheit“ und „Demokratie“. Inzwischen haben die imperialistisch-kapitalistischen Kolonialmächte ihre Vormachtstellung durch die andauernde Besatzung noch ausgebaut. Im Zuge der Intensivierung des Krieges nahm die Zahl der Toten, nahmen Armut, Blut und Tränen noch zu und tausende Männer, Frauen und Kinder verloren ihr Leben. Die Gemeinschaften der Region wurden gegeneinander aufgehetzt.
Wie in jedem Krieg waren es die Frauen, die besonders viel zu ertragen hatten. Die Frauen des Mittleren Ostens sind gefangen zwischen zwei Übeln. Das eine ist das Leiden durch den Druck der herrschenden theokratischen, monarchischen, feudalen und religiösen Elemente der Region und das andere ist die kapitalistische Politik, die die Körper und die Arbeit der Frauen ausbeutet.  
Obwohl der Imperialismus mit voller Kraft angreift, gibt es im Mittleren Osten einen starken Widerstand dagegen. Frauen beteiligen sich an diesem Widerstand mit ihren eigenen politischen und sozialen Forderungen. Tausende von Frauen haben Aktionen gegen den Krieg auf den Straßen durchgeführt und wurden so zu einer Kraft in allen Teilen des Widerstands.
Der Kampf der Frauen im Mittleren Osten ist lebendig, dynamisch und fruchtbar. Wo die Frauen in den sozialen, nationalen, demokratischen Klassenkämpfen involviert sind, kämpfen sie gleichzeitig einen Kampf, um das Bewusstsein der Geschlechter zu wecken. Die Frauen in dieser Region haben eine lange Geschichte des Widerstandes und des Kampfes. Die kurdische Frauenbewegung ist im Mittleren Osten sehr aktiv und die Kurdinnen, die sich in der Türkei, im Iran, Irak und in Syrien an den Kämpfen beteiligen, kämpfen nicht nur gegen nationale Unterdrückung, sondern auch gegen die vieldimensionalen Probleme, mit denen alle Frauen im Mittleren Osten konfrontiert sind.
In der Diskussion um die Punkte, die auf dem Weltfrauentreffen in Venezuela auf die Agenda kommen sollten, wurde klar, dass die Realität der Frauen und der Frauenbewegungen im Mittleren Osten mehr Raum einnehmen sollte.

Als ein Ergebnis der Debatte über die auf der Konferenz vorzustellenden Länderberichte wurden die folgenden Punkte festgehalten:
In Übereinstimmung mit dem Konzept des Weltfrauentreffens sollte allen Frauen die Möglichkeit gegeben werden, sich selbst darzustellen. Darüber hinaus ist es nötig, die Agenda überall dort zu ändern, wo kämpfende und widerständige Frauen als Opfer gesehen werden.
Die genaue Gestalt ihrer Probleme wurde nicht deutlich, ebenso wenig wie Methoden für eine Lösung nicht konkret benannt wurden. Aus diesem Grund werden nicht die Kämpfe der Frauen sondern ihre Rolle als Opfer in den Vordergrund gerückt. Im Zusammenhang mit den weltweiten sozialen Kämpfen wurden einige der zentralen Kräfte ausgeklammert. Die Frauenbewegung im Mittleren Osten ist eine davon. Trotz der schwerwiegenden Probleme, unter denen Frauen im Mittleren Osten zu leiden haben, sind die Frauen durchdrungen von einem starken Geist des Widerstandes. Die Besatzung im Mittleren Osten zu beenden, die Beachtung des Selbstbestimmungsrechts der Nationen sind wichtige Punkte auf der politischen Agenda der Frauenbewegung. Wir wissen, dass Frieden, Einheit und Freiheit im Mittleren Osten möglich sind, wenn Frauen in den Kampf eingebunden sind.
Von allen Gegenden auf der Welt ist der Mittlere Osten eine, in der Frauen schlimmer Gewalt ausgesetzt sind. Es geht dabei nicht darum, in welchem dieser Länder die Gewalt gegen Frauen am schlimmsten ist. Gewalt hat viele Gesichter und die Frauen dort sind politischer, militärischer, religiöser, ökonomischer, sozialer, rechtlicher und sexueller Gewalt ausgesetzt.
Steinigung, weibliche Genitalbeschneidung, Todesstrafe, Tötungen und Selbstmorde, sexuelle Gewalt, Missbrauch und Vergewaltigung, „Ehren“-Morde, Kinderehen, Zwangsheiraten, Frauentausch, Polygamie und die rechtliche Diskriminierung von Frauen sind typische Aspekte von Frauenleben im Mittleren Osten.
Aus diesem Grunde ist es das Hauptanliegen der Frauenbewegung im Mittleren Osten, den Kampf gegen alle Formen der Gewalt gegen Frauen weiterzuentwickeln. Indem sie gegen den iranischen Staat kämpft, der viele Frauen wie Zeynep Celaliyan und Sakina Mahmudi Astiyani zum Tode verurteilt hat, kämpft die Frauenbewegung für die Beendigung der Hinrichtungspraxis. Darum beschloss unsere Konferenz die Unterstützung von Aktionen zum Stopp der Hinrichtungen.
Der Körper der Frau und seine Verwertung sind ein wesentlicher Bestandteil der weltweiten kapitalistischen Verwertungslogik. Neben dem traditionellen Verständnis der Frau als Besitz haben mit der Ausbreitung des Kapitalismus im Mittleren Osten Vorstellungen vom weiblichen Körper als Ware und seiner Verkehrung in ein Spielzeug zur Befriedigung männlicher Lust systematisch zugenommen.
Der Kampf der Frauen wird im radikalen Kampf gegen das kapitalistische System, das die männliche Vorherrschaft und die soziale, religiöse und traditionelle herrschende Ideologie stärkt, erstarken.
Die Kraft, die von der Frauenbewegung ausgeht, bewirkt einen signifikanten Wechsel in den Dynamiken in den Ländern des Mittleren Ostens. Doch weil die Frauenbewegung nicht geeint ist, kann sie sich nicht zu einer effektiven regionalen Kraft entwickeln. Die Konferenz, die dieses Problem erkannte, beschloss ein gemeinsames aktives Vorgehen und die Schaffung einer regionalen Frauenkoordination zur Organisation einer Nahost-Frauenkonferenz. Die Einheit der Frauen, die im Mittleren Osten hergestellt werden wird, wird eine wichtige Kraft in der Entwicklung der internationalen Frauenbewegung.
Neu zu schaffende Frauengruppen, werden den Kampf der Frauen um Freiheit auf einer politischen und theoretischen Basis weiterentwickeln. Aber es wird im Wesentlichen um den Aufbau der Frauenbewegung und die Organisierung der Massen gehen. Was wir vor allem brauchen, ist ein gemeinsames, konkretes und praktisch umsetzbares Aktionsprogramm.
Was die Entwicklung der regionalen Frauenbewegung angeht, setzen wir auf die Teilnahme von Frauenorganisationen im Mittleren Osten.
Die Weltfrauenkonferenz in Venezuela bietet uns die Gelegenheit, mit Frauenbewegungen aus aller Welt zusammenzukommen.


Mittelostvorbereitungskonferenz für die Venezuela-Weltfrauenkonferenz

YDK (Neue demokratische Frauen), Türkei
IMECE (Vereinigung für unregistrierte, prekäre und flexible Frauenarbeit), Türkei
SKM (Sozialistische Frauenversammlungen), Türkei
Cenî -Kurdisches Frauenbüro für Frieden, BRD
DKH (Demokratische Frauenbewegung), Türkei
DÖKH (Demokratische Freie Frauenbewegung), Türkei
Selis Frauenvereinigung, Türkei
YJRK (Ostkurdische Frauenunion), Iran
YEKITIYA STAR, Syrien
HIWA (Hoffnung) Vereinigung Kirkuk, Irak
RJAK (Freie Frauenbewegung Kurdistan), Irak
Nawenda Jinen Azad (Freie Frauenbewegung), Kirkuk/Irak
Ishtar Frauenhaus, Kirkuk/Irak
Frauenkomitee der Provinzverwaltung Kirkuk, Irak
Frauen für die Unterstützung von Frauenvereinigungen, Bagdad/Irak
Irakische Alamad-Vereinigung, Kirkuk/Irak
KNK (Kurdistan Nationalkongress, Frauenkommission), Kurdistan

 

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